Vivos voco. Mortuos plango. Fulgura frango. Fest gemauert in der Erden Steht die Form aus Lehm gebrannt. Heute muß die Glocke werden! Frisch, Gesellen, seyd zur Hand! Von der Stirne heiß
(I celebrate the living. I mourn the dead. I break the lightning.) Master:Firmly walled within the earth,Burnt of loam, the frame doth stand;Today the bell must have its birth;Brisk, my comrades, be at hand!From the heated brow
Rinnen muß der Schweiß, Soll das Werk den Meister loben; Doch der Segen kommt von oben. Zum Werke, das wir ernst bereiten, Geziemt sich wohl ein ernstes Wort; Wenn gute Reden sie begleiten,
Down the sweat must flow,If praise to the master shall be given;But the blessing comes from heaven. An earnest word doth well betide When we prepare for earnest deeds, By good discourse accompanied
Dann fließt die Arbeit munter fort. So laßt uns jetzt mit Fleiß betrachten, Was durch die schwache Kraft entspringt; Den schlechten Mann muß man verachten, Der nie bedacht, was er vollbringt. Das ist’s ja, was den Menschen zieret,
Then labour cheerfully proceeds. So let us carefully now scan Of feeble strength what are the fruits; One must despise the wretched man, Who, unreflecting, executes. For this it is that man doth grace,
Und dazu ward ihm der Verstand, Daß er im innern Herzen spüret, Was er erschafft mit seiner Hand. Nehmet Holz vom Fichtenstamme, Doch recht trocken laßt es seyn, Daß die eingepreßte Flamme
Hereto he hath power to understand, That he, in his heart's core, may trace The type of his creative hand. Master:Take ye wood of the pine-stem,But be sure that 'tis right dry,That the inward pent-up flame
Schlage zu dem Schwalch hinein. Kocht des Kupfers Brei! Schnell das Zinn herbei, Daß die zähe Glockenspeise Fließe nach der rechten Weise! Was in des Dammes tiefer Grube Die Hand mit Feuers Hülfe baut,
Through the furnace throat may fly.Melt the copper down!Quick! the tin bring on!That the tough bell metal soProperly may fuse and flow. What now with fire's assisting power In this deep pit we fashion thus,
Hoch auf des Thurmes Glockenstube, Da wird es von uns zeugen laut. Noch dauern wird’s in späten Tagen Und rühren vieler Menschen Ohr, Und wird mit dem Betrübten klagen Und stimmen zu der Andacht Chor.
Loud from the belfry's lofty tower Shall one day testify of us; And many a man shall hear its tone, For it shall last in after-time, And shall with the afflicted moan, And with devotion's chorus chime.
Was unten tief dem Erdensohne Das wechselnde Verhängniß bringt, Das schlägt an die metallne Krone, Die es erbaulich weiter klingt. Weiße Blasen seh’ ich springen, Wohl! die Massen sind im Fluß.
Whatever to earth's lowly son Aye-changing destiny may bring, Shall strike on its metallic crown, And edifying thence shall ring. Master: *Lo! I see white bubbles spring!* *Good! the mass is fused at last.*
Laßt’s mit Aschensalz durchdringen, Das befördert schnell den Guß. Auch von Schaume rein Muß die Mischung seyn, Daß vom reinlichen Metalle Rein und voll die Stimme schalle. Denn mit der Freude Feierklange
Let us in the potash fling,That will quickly aid the cast.From scum all pure and freeMust the mixture be;That from metal clean and roundClear and full the voice may sound.For with its joyous festal tone
Begrüßt sie das geliebte Kind Auf seines Lebens erstem Gange, Den es in Schlafes Arm beginnt; [366] Ihm ruhen noch im Zeitenschooße Die schwarzen und die heitern Loose; Der Mutterliebe zarte Sorgen
The dear-loved infant it doth greet, Life's path when first it enters on, Lapped in the arms of slumber sweet; The lot, or dark, or bright, of whom As yet rests hidden in time's womb. Maternal love with tender yearning
Bewachen seinen goldnen Morgen — Die Jahre fliehen pfeilgeschwind. Vom Mädchen reißt sich stolz der Knabe, Er stürmt ins Leben wild hinaus, Durchmißt die Welt am Wanderstabe, Fremd kehrt er heim ins Vaterhaus.
Is watching o'er his golden morning – The years fly on as arrows fleet. From the girl the proud boy rushes forth; He wildly storms into life's danger; On wanderer's staff roams o'er the earth – To his father's home returns, a stranger.
Und herrlich in der Jugend Prangen, Wie ein Gebild aus Himmelshöhn, Mit züchtigen, verschämten Wangen Sieht er die Jungfrau vor sich stehn. Da faßt ein namenloses Sehnen Des Jünglings Herz, er irrt allein,
And glorious in the pride of youth, Even as a form from heaven's height, Her cheeks deep-dyed with bashful truth, The virgin stands before his sight. Then doth a nameless longing seize His youthful heart; alone he rambles;
Aus seinen Augen brechen Thränen, Er flieht der Brüder wilden Reihn. Erröthend folgt er ihren Spuren Und ist von ihrem Gruß beglückt, Das Schönste sucht er auf den Fluren, Womit er seine Liebe schmückt.
The frequent tear breaks from his eye; He shuns his brethren's noisy gambols; Blushing, he follows in her track, And is but by her greeting blest; And to adorn his love brings back From flowery meads the loveliest.
O zarte Sehnsucht, süßes Hoffen, Der ersten Liebe goldne Zeit, Das Auge sieht den Himmel offen, Es schwelgt das Herz in Seligkeit; O daß sie ewig grünen bliebe, Die schöne Zeit der jungen Liebe!
O tender yearning! O sweet hope! Of love the golden age is this; The eye doth see the heavens ope; The heart doth revel in deep bliss. Oh! that it ever green might prove, That beauteous season of young love.
Wie sich schon die Pfeifen bräunen! Dieses Stäbchen tauch’ ich ein, [367] Sehn wir’s überglast erscheinen, Wird’s zum Gusse zeitig seyn, Jetzt, Gesellen, frisch! Prüft mir das Gemisch, Ob das Spröde mit dem Weichen
Master:Already how the pipes are browned!This little staff I now dip in;If glazed over it be found,Then the casting may begin.Hither, comrades, hie!Quick the mixture try;If the pliant with the brittle
Sich vereint zum guten Zeichen. Denn, wo das Strenge mit dem Zarten, Wo Starkes sich und Mildes paarten, Da gibt es einen guten Klang. Drum prüfe, wer sich ewig bindet, Ob sich das Herz zum Herzen findet!
Join to make the proper metal. For then a perfect tone we find, When soft and hard are well combined, The mild united with the strong. Whoe'er would form eternal bonds Should weigh if heart to heart responds.
Der Wahn ist kurz, die Reu’ ist lang. Lieblich in der Bräute Locken Spielt der jungfräuliche Kranz, Wenn die hellen Kirchenglocken Laden zu des Festes Glanz. Ach! des Lebens schönste Feier
Folly is short – repentance long. Mid the bridal tresses slinging Plays the virgin garland bright, When the clear toned church bells ringing To the festive scene invite. Ah! Life's fairest festival
Endigt auch den Lebensmai, Mit dem Gürtel, mit dem Schleier Reißt der schöne Wahn entzwei. Die Leidenschaft flieht, Die Liebe muß bleiben; Die Blume verblüht, Die Frucht muß treiben. Der Mann muß hinaus
Closes also life's young May; With the girdle, with the veil, The fine illusion's torn away. Passion may fly, Love should endure; The blossom may die, The fruit shall mature; The man must abroad
Ins feindliche Leben, Muß wirken und streben Und pflanzen und schaffen, Erlisten, erraffen, [368] Muß wetten und wagen, Das Glück zu erjagen. Da strömet herbei die unendliche Gabe, Es füllt sich der Speicher mit köstlicher Habe,
Into hostile life, Mid labor and strife, With craft and with pain, Must gather and gain, Must venture and stake, Good luck to o'ertake. Then endless wealth rushes in, like a stream, With costly possessions the granaries teem,
Die Räume wachsen, es dehnt sich das Haus. Und drinnen waltet Die züchtige Hausfrau, Die Mutter der Kinder, Und herrschet weise Im häuslichen Kreise, Und lehret die Mädchen Und wehret den Knaben, Und reget ohn’ Ende
The space is extended – enlarged the abode: And indoors governs The modest housewife, The mother of children, And wisely doth steer The domestic sphere; And schooleth the girls, And ruleth the boys; And plies without end
Die fleißigen Hände, Und mehrt den Gewinn Mit ordnendem Sinn, Und füllet mit Schätzen die duftenden Laden, Und dreht um die schnurrende Spindel den Faden, Und sammelt im reinlich geglätteten Schrein
Her diligent hand; And the stock doth enlarge By her orderly charge; And fills with treasures the scent-breathing chests; And the thread round the whirring spindle she twists; And the bright polished coffer she storeth full
Die schimmernde Wolle, den schneeigten Lein, Und füget zum Guten den Glanz und den Schimmer Und ruhet nimmer. Und der Vater mit frohem Blick, Von des Hauses weitschauendem Giebel Ueberzählet sein blühend Glück,
With snowy white linen, and shimmering wool; The useful with beauty and brightness investing, And never resting. And the father, with cheerful look, From his home's far-seeing roof, Reckons o'er his flourishing stock;
Siehet der Pfosten ragende Bäume Und der Scheunen gefüllte Räume, Und die Speicher, vom Segen gebogen, Und des Kornes bewegte Wogen, Rühmt sich mit stolzem Mund: Fest, wie der Erde Grund,
The lofty poles of the stacks discerns, And the well-filled spaces of the barns, And the treasure-laden granaries, And the cornfields' waving seas. Boasting, he gazes round, "Firm as the very ground,
Gegen des Unglücks Macht Steht mir des Hauses Pracht! Doch mit des Geschickes Mächten Ist kein ew’ger Bund zu flechten, Und das Unglück schreitet schnell. Wohl! nun kann der Guß beginnen, Schön gezacket ist der Bruch.
Spite of misfortune's cross, Stands the wealth of my house." But with the powers of destiny No lasting band may woven be; And misfortune strideth swift. Master:*Good! the cast may be begun,* Well-jagged doth the breach appear;
Doch bevor wir’s lassen rinnen Betet einen frommen Spruch! Stoßt den Zapfen aus! Gott bewahr’ das Haus! Rauchend in des Henkels Bogen Schießt’s mit feuerbraunen Wogen. Wohlthätig ist des Feuers Macht,
Yet, before we let it run,Breathe ye first a pious pray'r.Strike the stopper loose!God preserve the house!Shooting into the hanger's bowThe fire-brown billows reeking flow.Beneficent is fire's strong might
Wenn sie der Mensch bezähmt, bewacht, Und was er bildet, was er schafft, Das dankt er dieser Himmelskraft; Doch furchtbar wird die Himmelskraft, Wenn sie der Fessel sich entrafft, Einhertritt auf der eignen Spur,
When man subdues and watches it; Whate'er with art or toil he does, Unto this heavenly power his owes; But dread this heavenly power grows, When, breaking from its fetters loose, On its own track it ranges wild,
Die freie Tochter der Natur. Wehe, wenn sie losgelassen, Wachsend ohne Widerstand, Durch die volkbelebten Gassen Wälzt den ungeheuren Brand! Denn die Elemente hassen Das Gebild der Menschenhand.
Nature's free and daring child. Woe! when it, from bondage freed, When nought its increase can withstand, Through streets alive with crowds doth haste, Whirling its enormous brand; For the elements detest Every work of human hand.
[370] Aus der Wolke Quillt der Segen, Strömt der Regen; Aus der Wolke, ohne Wahl, Zuckt der Strahl. Hört ihr’s wimmern hoch vom Thurm? Das ist Sturm! Roth, wie Blut, Ist der Himmel; Das ist nicht des Tages Glut!
From the cloud Blessings pour; – The rain doth shower; – From the cloud, undistinguishing, Lightnings spring. Hark! from the tower that wailing peal! 'Tis the 'larum-bell! Blood-red, lo! Are the skies! That is not the daybreak's glow!
Welch Getümmel Straßen auf! Dampf wallt auf! Flackernd steigt die Feuersäule, Durch der Straße lange Zeile Wächst es fort mit Windeseile; Kochend, wie aus Ofens Rachen, Glühn die Lüfte, Balken krachen,
Hark! what noise, Along the streets! Smoke waves up! Fiery columns flickering rise! Through the streets' long lines it flies, And with the wind in swiftness vies. As from furnace jaws out-reeking, Glows the hot air; beams are creaking,
Pfosten stürzen, Fenster klirren, Kinder jammern, Mütter irren, Thiere wimmern Unter Trümmern; Alles rennet, rettet, flüchtet, Taghell ist die Nacht gelichtet; Durch der Hände lange Kette Um die Wette
Windows jarring, pillars sundering, Children screaming, mothers wandering, Cattle lowing 'Neath the ruin. All is hurry, rescue, flight; Clear as daylight gleams the night; Thro' the long and emulous band Of many a hand
Fliegt der Eimer; hoch im Bogen Spritzen Quellen Wasserwogen. Heulend kommt der Sturm geflogen, Der die Flamme brausend sucht; Prasselnd in die dürre Frucht Fällt sie, in des Speichers Räume, In der Sparren dürre Bäume,
Flies the bucket; arching high Water-streams from engines fly; Howling, on the storm-blasts hie, With the roaring flame to meet; Crackling in the arid wheat It falleth; in the granary, In the spars and rafters dry;
Und als wollte sie im Wehen Mit sich fort der Erde Wucht Reißen in gewalt’ger Flucht, Wächst sie in des Himmels Höhen Riesengroß! Hoffnungslos Weicht der Mensch der Götterstärke, Müßig sieht er seine Werke
And with mighty blast, as though 'Twould tear away, in violent flight, With itself the earth's own weight, It into heaven's height doth grow, Giant-great! In hopeless state, Man succumbs to strength divine,
Und bewundernd untergehen. Leergebrannt Ist die Stätte, Wilder Stürme rauhes Bette. In den öden Fensterhöhlen Wohnt das Grauen, Und des Himmels Wolken schauen Hoch hinein. Einen Blick
And amazed and supine Sees his handyworks laid low. Bare and burnt Is the space, The wild storms' rough resting-place. In the desolate window-cells Horror broods; And from heaven the lofty clouds Peer within. One look – the last –
Nach dem Grabe Seiner Habe Sendet noch der Mensch zurück — Greift fröhlich dann zum Wanderstabe. Was Feuers Wuth ihm auch geraubt, Ein süßer Trost ist ihm geblieben, Er zählt die Häupter seiner Lieben,
Tow'rds the tomb Of his home, Doth the man behind him cast – Then cheerful grasps his staff to roam; Whate'er the fire's rage hath o'erthrown, One comfort sweet remains unmoved, He counts the heads of his beloved,
Und sieh! ihm fehlt kein theures Haupt. In die Erd’ ist’s aufgenommen, Glücklich ist die Form gefüllt; [372] Wird’s auch schön zu Tage kommen, Daß es Fleiß und Kunst vergilt? Wenn der Guß mißlang?
And lo! not one dear head is lost. Master:'Tis received within the Earth;The mould it happily doth fill;Will it issue fairly forth,To requite our toil and skill?If the cast should fail –
Wenn die Form zersprang? Ach, vielleicht, indem wir hoffen, Hat uns Unheil schon getroffen. Dem dunkeln Schooß der heil’gen Erde Vertrauen wir der Hände That, Vertraut der Sämann seine Saat
Should the mould prove frail! *Ah! perhaps while hoping thus* Mischance e'en now hath stricken us.To the dark womb of holy earth, Do we our handywork confide; The sower too confides his seed,
Und hofft, daß sie entkeimen werde Zum Segen, nach des Himmels Rath. Noch köstlicheren Samen bergen Wir traurend in der Erde Schooß Und hoffen, daß er aus den Särgen Erblühen soll zu schönerm Loos.
And hopes that it shall yet shoot forth To bless – if heaven has so decreed. Far costlier seed do we commit In sorrow to the earth's dark womb, And hope that, from the coffin, it May blossom to a fairer doom.
Von dem Dome, Schwer und bang, Tönt die Glocke Grabgesang. Ernst begleiten ihre Trauerschläge Einen Wandrer auf dem letzten Wege. Ach! die Gattin ist’s, die theure, Ach! es ist die treue Mutter,
From the tower Tolls the bell, Dull and heavy, The funeral knell; Sad its melancholy notes convey Some poor wand'rer on the long last way. Ah! it is the wife, the dear one! Ah! it is the tender mother!
Die der schwarze Fürst der Schatten Wegführt aus dem Arm des Gatten, Aus der zarten Kinder Schaar, Die sie blühend ihm gebar, Die sie an der treuen Brust [373] Wachsen sah mit Mutterlust —
Whom the gloomy Prince of Shades From her mate's embraces leads; From the group of children dear, Which blooming unto him she bare; Which growing on her faithful breast, She watched with a mother's interest.
Ach! des Hauses zarte Bande Sind gelöst auf immerdar; Denn sie wohnt im Schattenlande, Die des Hauses Mutter war; Denn es fehlt ihr treues Walten, Ihre Sorge wacht nicht mehr; An verwaister Stätte schalten
Ah! of home each tender band Now for evermore is loose; For she dwells in the shadow-land, Who was the mother of the house; Her faithful rule has passed away, Her care no more shall watchful prove; In the orphaned place shall sway
Wird die Fremde, liebeleer. Bis die Glocke sich verkühlet, Laßt die strenge Arbeit ruhn. Wie im Laub der Vogel spielet, Mag sich jeder gütlich thun. Winkt der Sterne Licht, Ledig aller Pflicht,
Henceforth the stranger, void of love. Master:While the bell is cooling now,Rigorous toil may have its rest;As birds gambol on the bough,Each may sport as likes him best.When winking stars appear,Freed from every care,
Hört der Bursch die Vesper schlagen; Meister muß sich immer plagen. Munter fördert seine Schritte Fern im wilden Forst der Wandrer Nach der lieben Heimathütte. Blöckend ziehen heim die Schafe,
The workman hears the vespers toll,Doubts still vex the master's soul.In the wild forest's distant gloom, The wanderer with cheerful steps Hastes to his dear cottage-home. Bleating homeward went the flocks;
Und der Rinder Breitgestirnte, glatte Schaaren Kommen brüllend, Die gewohnten Ställe füllend. Schwer herein Schwankt der Wagen, Kornbeladen, Bunt von Farben, [374] Auf den Garben Liegt der Kranz,
And the glossy Broadly-fronted herds of oxen Come on lowing, To fill their wonted home-stalls going. Heavily in Reels the wagon, Harvest laden; Of varied dies The garland lies The sheaves upon;
Und das junge Volk der Schnitter Fliegt zum Tanz. Markt und Straße werden stiller, Um des Lichts gesell’ge Flamme Sammeln sich die Hausbewohner, Und das Stadtthor schließt sich knarrend. Schwarz bedecket
And the youthful band of reapers To the dance hath flown. Street and market grow more still; Round the candle's social flame, All house-dwellers meet together, And the town gate closes gnarring.
Sich die Erde; Doch den sichern Bürger schrecket Nicht die Nacht, Die den Bösen gräßlich wecket; Denn das Auge des Gesetzes wacht. Heil’ge Ordnung, segenreiche Himmelstochter, die das Gleiche Frei und leicht und freudig bindet,
The earth doth dight Herself in black; But the safe burgher at the night Feels no awe, Which fearful wakes the guilty wight, For still watchful is the eye of law. Holy Order! blissful child Of Heaven! in union free and mild
Die der Städte Bau gegründet, Die herein von den Gefilden Rief den ungesell’gen Wilden, Eintrat in der Menschen Hütten, Sie gewöhnt zu sanften Sitten, Und das theuerste der Bande
And joyous, she hath equals bound; She the first did cities found; And therein from the waste plain Called unsocial, savage man; Entered in the rugged hut, Its inmates gentler manners taught, And wove that best and dearest band,
Wob, den Trieb zum Vaterlande! Tausend fleiß’ge Hände regen, Helfen sich in munterm Bund, Und in feurigem Bewegen Werden alle Kräfte kund. Meister rührt sich und Geselle In der Freiheit heil’gem Schutz;
The vital love of fatherland. Thousand active hands bestir; In cheerful league each other aid, And, in fiery movement, are All the powers of art displayed. Man and master calmly rest, Holy freedom their reliance;
Jeder freut sich seiner Stelle, Bietet dem Verächter Trutz. Arbeit ist des Bürgers Zierde, Segen ist der Mühe Preis; Ehrt den König seine Würde, Ehret uns der Hände Fleiß. Holder Friede, Süße Eintracht,
Each in his own place is blest, To the scorner bids defiance. Labor is the burgher's pride, Success, of industry the prize; The king by pomp is dignified, Us our hands' work dignifies. Gentle concord!
Weilet, weilet Freundlich über dieser Stadt! Möge nie der Tag erscheinen, Wo des rauhen Krieges Horden Dieses stille Thal durchtoben; Wo der Himmel, Den des Abends sanfte Röthe Lieblich malt,
Kindly peace! Ah! tarry, tarry, Friendly over this our town! Never may the day appear, When the hordes of rugged war Riot thro' this tranquil valley; When the heavens, Whence the evening's blushes mild Lovely beam,
Von der Dörfer, von der Städte Wildem Brande schrecklich strahlt! Nun zerbrecht mir das Gebäude, Seine Absicht hat’s erfüllt, Daß sich Herz und Auge weide An dem wohlgelungnen Bild. Schwingt den Hammer, schwingt,
Shall, with conflagration wild Of towns and hamlets, frightful gleam. Master:Now the mould we may destroy,It hath answered its intent;Let us feast both heart and eyeOn our task's accomplishment.Swing the hammer, swing!
Bis der Mantel springt! Wenn die Glock’ soll auferstehen, Muß die Form in Stücken gehen. Der Meister kann die Form zerbrechen Mit weiser Hand, zur rechten Zeit; [376] Doch wehe, wenn in Flammenbächen
Till the mantle spring!Ere the bell rise from below,Must the frame to pieces go.The master may break up the frame With prudent hand at fitting hour; But woe! whene'er, in brooks of flame,
Das glühnde Erz sich selbst befreit! Blindwüthend, mit des Donners Krachen, Zersprengt es das geborstne Haus, Und wie aus offnem Höllenrachen Speit es Verderben zündend aus. Wo rohe Kräfte sinnlos walten,
Itself shall free the flowing ore, Blind-raging, with the crash of thunder, It springs in air the bursten house; And, as from hell-jaws wide asunder, Blazing destruction forth it spews. Where rude and senseless powers prevail
Da kann sich kein Gebild gestalten; Wenn sich die Völker selbst befrein, Da kann die Wohlfahrt nicht gedeihn. Weh, wenn sich in dem Schooß der Städte Der Feuerzunder still gehäuft, Das Volk, zerreißend seine Kette,
There form and shape wilt ever fail; To free themselves when nations strive, The common weal can never thrive. Woe! when in cities' womb hath lain The fuel heaped by slow degrees, The people, shattering their chain,
Zur Eigenhülfe schrecklich greift! Da zerret an der Glocke Strängen Der Aufruhr, daß sie heulend schallt Und, nur geweiht zu Friedensklängen, Die Losung anstimmt zur Gewalt. Freiheit und Gleichheit! hört man schallen;
At self-relief doth madly seize. Then at the ropes doth uproar pull, Till, hallowed but to peaceful chimes, The bell with hideous clang doth howl, The signal to revolt and crimes. "Freedom! Equality!" they call –
Der ruh’ge Bürger greift zur Wehr, Die Straßen füllen sich, die Hallen, Und Würgerbanden ziehn umher. Da werden Weiber zu Hyänen Und treiben mit Entsetzen Scherz; Noch zuckend, mit des Panthers Zähnen,
The fearful burgher grasps his arms; The streets are filled, the market-hall – On all sides prowl the murderous swarms. Women into hyaenas start, Disgustingly with horror jest; With panther-teeth their victims' heart
Zerreißen sie des Feindes Herz. Nichts Heiliges ist mehr, es lösen Sich alle Bande frommer Scheu; Der Gute räumt den Platz dem Bösen, [377] Und alle Laster walten frei. Gefährlich ist’s, den Leu zu wecken,
They tear, yet quivering, from the breast. Nought holy is there more; all ties Of pious shame are rent in twain; The bad of the good the place supplies, And freely all the vices reign. To wake the lion is perilous;
Verderblich ist des Tigers Zahn; Jedoch der schrecklichste der Schrecken, Das ist der Mensch in seinem Wahn. Weh denen, die dem Ewigblinden Des Lichtes Himmelsfackel leihn! Sie strahlt ihm nicht, sie kann nur zünden
Destructive is the tiger's tooth; But fearfullest of fears to rouse Is Man in his delirious wrath. Woe's them, who heaven's torch of light Unto the ever-blind would trust; It lights not him; can but ignite,
Und äschert Städt’ und Länder ein. Freude hat mir Gott gegeben! Sehet! wie ein goldner Stern, Aus der Hülse, blank und eben, Schält sich der metallne Kern. Von dem Helm zum Kranz Spielt’s wie Sonnenglanz,
And lands and cities burns to dust. Master:Joy unto me God hath given!*See! how like a star of gold,* From its shell, all bright and even,The metal kernel doth unfold.From helve to crown, the rayLike sunny glance doth play:
Auch des Wappens nette Schilder Loben den erfahrnen Bilder. Herein! herein! Gesellen alle, schließt den Reihen, Daß wir die Glocke taufend weihen! Concordia soll ihr Name seyn. Zur Eintracht, zu herzinnigem Vereine
And the neat armorial shieldDoth credit to the workman yield.Come in! Come in! Comrades all, and close the ring, To aid at the bell's christening; Concordia is the name we bring. In union's cordial harmony her summons
Versammle sie die liebende Gemeine. Und dies sey fortan ihr Beruf, Wozu der Meister sie erschuf: Hoch überm niedern Erdenleben Soll sie im blauen Himmelszelt, Die Nachbarin des Donners, schweben
Shall oft-times congregate the loving commons. This office let her hence fulfil, The purpose of the master's will! High in the heavens' blue tent away, Above our lowly earth-life here, The thunder's neighbor she shall sway,
[378] Und gränzen an die Sternenwelt, Soll eine Stimme seyn von oben, Wie der Gestirne helle Schaar, Die ihren Schöpfer wandelnd loben Und führen das bekränzte Jahr. Nur ewigen und ernsten Dingen
And border on the starry sphere. A voice shall she be from above, Like the bright constellations' throng, Who praise their maker as they move, And lead the wreathed year along. Only to grave and lasting things,
Sey ihr metallner Mund geweiht, Und stündlich mit den schnellen Schwingen Berühr’ im Fluge sie die Zeit. Dem Schicksal leihe sie die Zunge; Selbst herzlos, ohne Mitgefühl, Begleite sie mit ihrem Schwunge
Be consecrate her metal chime; And hourly with his rapid wings, Shall she be touched by flying time. A tongue to destiny shall she lend; Heartless herself to joy or grief, Still with her swing let her attend
Des Lebens wechselvolles Spiel. Und wie der Klang im Ohr vergehet, Der mächtig tönend ihr entschallt, So lehre sie, daß nichts bestehet, Daß alles Irdische verhallt. Jetzo mit der Kraft des Stranges
Upon the changeful game of life. And as the sounds which forth she casts, In mighty tones, on the ear decay; So let her teach that nothing lasts – That all things earthly die away. Master:Now, with the power of the rope,
Wiegt die Glock’ mir aus der Gruft, Daß sie in das Reich des Klanges Steige, in die Himmelsluft! Ziehet, ziehet, hebt! Sie bewegt sich, schwebt.
Rock the bell from out the ground;Into the air let her mount up,Into the heavenly realm of sound!*Pull ye! pull ye! heave!* She doth move – doth wave!